Beschäftigte der Automobilindustrie wollen am heutigen Montag auch in der Region Hildesheim ein Zeichen gegen Stellenabbau, Standortverlagerungen und weitere Einschnitte setzen. Aktionen sind bei Bosch und KSM Castings in Hildesheim sowie bei ZF in Gronau geplant. Besonders groß ist die Sorge am Bosch-Standort: Dort stehen Hunderte Arbeitsplätze auf dem Spiel.

Unter dem Motto „Zukunft statt Kahlschlag – Zusammenhalt ist unsere stärkste Marke“ ruft die IG Metall bundesweit Beschäftigte der Automobilindustrie zu Protesten auf. In der Region sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von Robert Bosch HiP und KSM Castings in Hildesheim sowie von ZF in Gronau vor die Werkstore ziehen.

Mit dem Aktionstag will die Gewerkschaft den wachsenden Druck auf die Belegschaften sichtbar machen. Zahlreiche Hersteller und Zulieferer planen Stellenstreichungen, Standortverlagerungen und Einsparungen. Aus Sicht der IG Metall darf die Krise der Branche jedoch nicht einseitig auf dem Rücken der Beschäftigten ausgetragen werden.

Hunderte Stellen bei Bosch in Gefahr

Besonders deutlich werden die Folgen am Bosch-Standort in Hildesheim. Nach der im vergangenen Jahr erzielten Vereinbarung bleibt das Werk zwar bis mindestens 2032 bestehen. Gleichzeitig sollen jedoch rund 680 Arbeitsplätze wegfallen. Eine vereinbarte Mindestgröße soll etwa 420 Stellen bis 2032 sichern.

Zu diesen Einschnitten kommt eine weitere Entwicklung im Geschäftsbereich Mobility Aftermarket. Dort sind rund 60 von etwa 100 Arbeitsplätzen bedroht. Bosch plant nach Angaben der IG Metall, Reparatur- und Aufbereitungsarbeiten am Standort Hildesheim bis Ende 2026 aufzugeben. Teile des sogenannten Remanufacturing-Geschäfts sollen demnach nach Portugal verlagert werden, während das Reparaturgeschäft vollständig eingestellt werden soll.

Damit geht es für viele Beschäftigte nicht um eine abstrakte Debatte über den Umbau der Autoindustrie, sondern unmittelbar um ihre berufliche und wirtschaftliche Zukunft.

Gewerkschaft fordert Investitionen statt Kahlschlag

Die IG Metall verlangt von den Unternehmen Investitionen in neue Produkte, moderne Technologien und die Qualifizierung der Beschäftigten. Arbeitsplätze und Industriestandorte müssten langfristig gesichert werden. Reine Sparprogramme könnten die strukturellen Probleme der Automobilindustrie nicht lösen.

Die Gewerkschaft wirft Teilen der Branche vor, Entwicklungen bei Elektromobilität, Digitalisierung und Batterietechnik nicht entschlossen genug vorangetrieben zu haben. Managementfehler dürften nun nicht durch Stellenabbau und schlechtere Arbeitsbedingungen ausgeglichen werden.

Auch Forderungen nach längeren Arbeitszeiten und einer Aufweichung bestehender tariflicher Regelungen lehnt die IG Metall ab. Stattdessen brauche es verlässliche Zukunftskonzepte für die deutschen Standorte.

Drei Standorte in der Region beteiligt

Neben Bosch sollen sich auch Beschäftigte von KSM Castings in Hildesheim und ZF in Gronau an dem Aktionstag beteiligen. Beide Unternehmen sind eng mit der Automobilindustrie verbunden und damit ebenfalls von den Veränderungen der Branche betroffen.

Bundesweit sind mehr als 200 Aktionen mit voraussichtlich rund 100.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern angekündigt. Dazu gehören Kundgebungen, Betriebsversammlungen und Proteste vor Werkstoren.

Wie viele Beschäftigte sich an den drei Aktionen in der Region Hildesheim beteiligen und welche konkreten Forderungen die jeweiligen Betriebsräte stellen, soll sich im Laufe des Tages zeigen.