Gemeinsam auf die Straße, damit Radfahrer wahrgenommen werden: Dafür steht die Critical Mass, die es seit Jahren auch in Hildesheim gibt. Am Freitagabend beteiligten sich 21 Menschen an der letzten Fahrt für 2026. Sie radelten in Zweierreihen durch die dunkle Stadt und warben für gegenseitige Rücksicht im Verkehr

Die Idee hinter Critical Mass: Menschen schließen sich auf dem Fahrrad zusammen und zeigen gemeinsam, dass sie Teil des Verkehrs sind. Sie wollen auf ihren Platz auf der Straße und die notwendige Rücksicht aufmerksam machen. In Hildesheim warben die Teilnehmer dafür, dass Auto- und Radfahrer aufeinander achten und sicher nebeneinander unterwegs sein können. Wer allein auf dem Fahrrad leicht übersehen wird, ist als Teil einer gemeinsam fahrenden Gruppe deutlich sichtbar. Zugleich bieten die Fahrten Gelegenheit, zusammen mit anderen durch die Stadt zu radeln.

Critical Mass entstand 1992 in San Francisco und verbreitete sich von dort weltweit, so auch in Hildesheim. In vielen Städten finden die gemeinsamen Fahrten am letzten Freitag eines Monats statt. Eine zentrale Organisation oder Führung hat die Bewegung nicht. Am Freitag fanden in insgesamt 90 Städten weltweit entsprechende Aktionen statt.

In Hildesheim sind die gemeinsamen Fahrten bereits für 2016 dokumentiert. Damals starteten die Teilnehmer am Huckup. Berichte aus dieser Zeit beschreiben Touren durch Bockfeld, Himmelsthür und die Nordstadt sowie über die Marienburger Höhe nach Itzum.

Rücksicht auch bei der Streckenwahl

Andreas Dietrich hatte die Hildesheimer Versammlung angemeldet. Chef der Bewegung ist er damit nicht. Vor dem Start an der Steingrube erklärte er den Teilnehmern die Regeln und forderte sie auf, während der Fahrt zusammenzubleiben.

Dabei erläuterte Dietrich auch das Fahren als geschlossener Verband: Wenn die Spitze bei Grün eine Kreuzung überquere, dürften die übrigen zum Verband gehörenden Radfahrer folgen, selbst wenn die Ampel zwischenzeitlich auf Rot schalte. Für die Teilnehmer bedeutete das, auf den Zusammenhalt der Gruppe zu achten und gemeinsam über die Kreuzungen zu fahren.

Jede Hildesheimer Critical-Mass-Demo führt über eine andere Strecke. So sind die Teilnehmer bei den einzelnen Fahrten in unterschiedlichen Teilen der Stadt unterwegs.

Diesmal führte die Strecke von der Steingrube über die Schuhstraße in Richtung Dammtor, über den Moritzberg weiter zur Alfelder Straße und zur Schützenwiese. Über die Kaiserstraße und die Moltkestraße ging es zurück zum Ausgangspunkt. Mit ihren beleuchteten Fahrrädern machte die Gruppe dabei deutlich, dass Radverkehr auch in der dunklen Jahreszeit zum Straßenbild gehört.

Baustellen wurden bei der Planung bewusst ausgespart. Dietrich begründete das mit dem Anliegen der Fahrt: „Wenn wir über die sowieso schon teilgesperrte Bundesstraße 243 fahren, behindern wir ja den Verkehr, und dann zeigen wir ja kein Miteinander mehr!“

Auch gegenüber den Autofahrern warb er für einen freundlichen Umgang. „Vielleicht bekommen wir ja ein Miteinander hin. Den Autofahrern mal zuwinken oder ein Danke. Das sollten wir uns alle wieder angewöhnen.“

Weiter geht es im Mai 2027

Mit der Fahrt am Freitag endeten die Hildesheimer Critical-Mass-Veranstaltungen für 2026. Im Mai 2027 soll es mit einem „Ride of Silence“ weitergehen. Diese stille Gedenkfahrt erinnert an Radfahrer, die im Straßenverkehr tödlich verletzt wurden. Das gemeinsame Schweigen soll Raum für das Gedenken geben und zugleich auf die Gefahren aufmerksam machen, denen Radfahrer im Verkehr ausgesetzt sind.