Leonie Busse (Grüne), Franziska Hientz (CDU) und Beate König (SPD) vertreten künftig Oberbürgermeister Ingo Meyer bei repräsentativen Anlässen. Der neu zusammengesetzte Hildesheimer Rat wählte die drei Politikerinnen am Montagabend, in seiner konstituierenden Sitzung zu ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen. Die Ergebnisse zeigen deutliche Unterschiede im Rückhalt für die Kandidatinnen.

Busse erhielt 24 Ja-Stimmen bei 18 Gegenstimmen. Damit erreichte die Grünen-Politikerin die erforderliche Mehrheit, musste aber zugleich erhebliche Ablehnung hinnehmen. Hientz kam auf 34 Ja-Stimmen bei zehn Gegenstimmen und erzielte damit die höchste Zustimmung. Für König votierten 31 Ratsmitglieder.

Mehrheit für Busse, aber kein breiter Konsens

Busses Kandidatur war bereits vor der Sitzung umstritten. Bei der geheimen Abstimmung sprach ihr eine Mehrheit dennoch das Vertrauen für das Bürgermeisterinnenamt aus. Das Ergebnis fiel mit sechs Stimmen Unterschied zwischen Zustimmung und Ablehnung deutlich enger aus als bei Hientz.

Die Gegenstimmen lassen sich wegen der geheimen Wahl weder einzelnen Ratsmitgliedern noch Fraktionen zuordnen. Ebenso wenig lässt das Ergebnis erkennen, welche persönlichen oder politischen Erwägungen hinter der Ablehnung standen.

Busse ist seit mindestens 2024 in der örtlichen Parteiarbeit aktiv. Im Februar jenes Jahres wurde sie in den Vorstand der Hildesheimer Grünen gewählt; auch dem im März 2025 gewählten Vorstand gehörte sie an. Außerdem ist sie Beisitzerin im Landesvorstand der Grünen Jugend Niedersachsen. Zur Kommunalwahl trat sie auf dem ersten Listenplatz der Grünen im Stadtratswahlbereich Hildesheim Süd an.


Die 24-jährige Leonie Busse (Grüne) wurde mit 24 Ja-Stimmen bei 18 Gegenstimmen zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin der Stadt Hildesheim gewählt.
Die 24-jährige Leonie Busse (Grüne) wurde mit 24 Ja-Stimmen bei 18 Gegenstimmen zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin der Stadt Hildesheim gewählt. · Foto: Geoffrey May/apb

Hientz wechselt die Funktion

Mit Franziska Hientz übernimmt die bisherige Ratsvorsitzende eines der drei Bürgermeisterinnenämter. Die CDU-Politikerin erhielt zehn Ja-Stimmen mehr als Busse. Ihre bisherige Aufgabe bestand darin, die Sitzungen des Rates zu leiten. Künftig gehört sie zu den ehrenamtlichen Vertreterinnen des Oberbürgermeisters.

Hientz bringt damit Erfahrung in der Leitung des zentralen politischen Gremiums der Stadt mit. Als Ratsvorsitzende war sie für den Ablauf der Beratungen und Abstimmungen verantwortlich. Im Bürgermeisterinnenamt liegt ihr Schwerpunkt nun auf der Vertretung der Stadt bei repräsentativen Anlässen. Bei der Kommunalwahl 2026 hatte Hientz die CDU-Liste im Wahlbereich Hildesheim Süd angeführt. Ihre Wahl zur Bürgermeisterin fiel mit 34 Ja-Stimmen bei zehn Gegenstimmen am deutlichsten aus; gut drei Viertel der abgegebenen Ja- und Nein-Stimmen entfielen auf Zustimmung.


Franziska Hientz (CDU), bisher Vorsitzende des Hildesheimer Rates, übernimmt das Amt einer ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Sie erhielt 34 Ja-Stimmen bei zehn Gegenstimmen.
Franziska Hientz (CDU), bisher Vorsitzende des Hildesheimer Rates, übernimmt das Amt einer ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Sie erhielt 34 Ja-Stimmen bei zehn Gegenstimmen. · Foto: Geoffrey May/apb

Beate König bleibt Bürgermeisterin

Mit 31 Ja-Stimmen bestätigte der Rat Beate König (SPD) als ehrenamtliche Bürgermeisterin. Sie hatte den Oberbürgermeister bereits in der vergangenen Wahlperiode bei repräsentativen Anlässen vertreten und setzt diese Tätigkeit nun fort. König gehört dem Stadtrat seit 15 Jahren an und wurde dafür im Oktober mit dem Ehrenring der Stadt ausgezeichnet.

Neben ihrer Arbeit im Stadtrat war König in der vergangenen Wahlperiode auch Ortsbürgermeisterin von Itzum-Marienburg. Sie verbindet damit Erfahrung in der Vertretung der gesamten Stadt mit der politischen Arbeit auf Ortsteilebene. Im bisherigen Bürgermeistertrio hatte sie gemeinsam mit Doris Wendt von den Grünen und Ulrich Kumme von der CDU die repräsentative Stellvertretung des Oberbürgermeisters übernommen. Wendt und Kumme sind zum Ende der Wahlperiode aus dem Rat ausgeschieden. König ist somit die einzige der drei bisherigen Amtsinhaber, die dem neuen Bürgermeisterinnentrio weiterhin angehört.


Beate König (SPD) bleibt ehrenamtliche Bürgermeisterin der Stadt Hildesheim. Der Rat bestätigte sie mit 31 Ja-Stimmen für eine weitere Wahlperiode im Amt.
Beate König (SPD) bleibt ehrenamtliche Bürgermeisterin der Stadt Hildesheim. Der Rat bestätigte sie mit 31 Ja-Stimmen für eine weitere Wahlperiode im Amt. · Foto: Geoffrey May/apb

Rat legt getrennte Wahlgänge fest

Der Personenwahl ging eine Debatte über das Abstimmungsverfahren voraus. Die Gruppe Gemeinsam+/Interkulturelle Liga hatte eine geheime Einzelwahl beantragt. Während der Beratung kam der Vorschlag auf, alle drei Kandidatinnen auf einem gemeinsamen Stimmzettel aufzuführen und dort über jede einzeln abstimmen zu lassen.

Thomas Kittel von den Grünen sprach sich dagegen für drei getrennte Wahlgänge in alphabetischer Reihenfolge aus. Nach jeder Abstimmung sollte das Ergebnis feststehen und bekannt gegeben werden, bevor die nächste Kandidatin zur Wahl stand.

Diesem Verfahren folgte der Rat mit 27 Ja-Stimmen bei sechs Gegenstimmen und elf Enthaltungen. So wurde zunächst über Busse, anschließend über Hientz und zuletzt über König entschieden.