Karl-Heinz Banse gibt im Februar 2027 das Präsidentenamt des Deutschen Feuerwehrverbandes ab. Der in Diekholzen lebende Niedersachse führte den Verband seit 2021. In seine Amtszeit fallen die Unterstützung ukrainischer Feuerwehren, Forderungen nach einem besser ausgestatteten Katastrophenschutz und die Gründung eines europäischen Feuerwehrverbandes. Sein Nachfolger steht bereits fest.

Diekholzen/Berlin. Für Karl-Heinz Banse endet am 26. Februar 2027 eine sechsjährige Amtszeit an der Spitze des Deutschen Feuerwehrverbandes (DFV). Der 64-Jährige konnte wegen der Altersgrenze in der Verbandssatzung nicht erneut kandidieren. Die Delegierten wählten am Samstag, 17. Oktober, im Roten Rathaus in Berlin den bisherigen Vizepräsidenten Dr. Christoph Weltecke zu seinem Nachfolger.

Mit Banse scheidet ein Verbandspräsident aus, der seinen Lebensmittelpunkt im Landkreis Hildesheim hat. Er lebt in Diekholzen, seine Wurzeln liegen im Harz: Geboren wurde er am 10. April 1962 in Bad Lauterberg. Dort begann auch sein Weg in der Feuerwehr.

Von der Jugendfeuerwehr an die Verbandsspitze

1973 trat Banse in die Jugendfeuerwehr Bad Lauterberg ein, 1979 wechselte er in die Einsatzabteilung. Später übernahm er Führungsverantwortung in seiner Heimatwehr: zunächst als stellvertretender Ortsbrandmeister, von 1995 bis 2003 als Ortsbrandmeister. Es folgten Aufgaben auf Kreis- und Bezirksebene. 2004 wurde er Regierungsbrandmeister im Bereich der Polizeidirektion Göttingen.

Zum Präsidenten des Landesfeuerwehrverbandes Niedersachsen wurde Banse 2013 gewählt. Diese Funktion und das Amt des Regierungsbrandmeisters gab er im Frühjahr 2021 ab, nachdem ihn die Delegierten am 27. Februar zum DFV-Präsidenten gewählt hatten. Beruflich kommt Banse aus der Verwaltung; der Bundesverband führt ihn als koordinierenden Brandschutzbeauftragten beim Land Niedersachsen.

Amtsantritt während der Pandemie

Banse übernahm einen Verband, dessen Präsidentenamt nach dem Rücktritt von Hartmut Ziebs seit Ende 2019 unbesetzt gewesen war. Die Neuwahl hatte sich wegen der Corona-Pandemie verzögert und fand schließlich digital statt. Banse setzte sich im ersten Wahlgang mit 86 von 164 Stimmen durch.

Zu seinen erklärten Zielen gehörten, Vertrauen zurückzugewinnen, die Verbandsarbeit transparenter zu machen und die politische Interessenvertretung auszubauen.

Bereits in seinen ersten Amtswochen suchte er deshalb das Gespräch mit Landesverbänden, die Kritik am DFV geäußert hatten. Zugleich setzte er sich gegenüber dem damaligen Bundesgesundheitsminister Jens Spahn dafür ein, Feuerwehrangehörige bei der Corona-Impfung früher zu berücksichtigen. Dabei verwies er auf Einsatzkräfte außerhalb des Rettungsdienstes, die ebenfalls unmittelbaren Kontakt zu Menschen hatten.

Mehr Ausstattung für den Katastrophenschutz gefordert

Ein wiederkehrendes Thema seiner Präsidentschaft war die Vorbereitung auf große Schadenslagen. Während des Hochwassers zum Jahreswechsel 2023/2024 verlangte Banse eine bundesweit koordinierte Verbesserung der Ausstattung im Katastrophenschutz.

Konkret forderte er zusätzliche mobile Hochwasserschutzsysteme, um personalintensive Sandsackbarrieren ersetzen zu können. Auch die Anforderung von Hubschraubern zur Deichverteidigung müsse einfacher werden. Beim Gemeinsamen Kompetenzzentrum Bevölkerungsschutz drängte er auf die unmittelbare Beteiligung von Feuerwehren und Hilfsorganisationen.

Die nach der Ahrtal-Katastrophe verbesserte Warnung der Bevölkerung bewertete Banse damals positiv. Gleichzeitig machte er deutlich, dass wirksamer Schutz ebenso von einsatzfähigen Strukturen und geeigneter Technik abhängt.

Unterstützung für Feuerwehren in der Ukraine

Auch die Hilfe für ukrainische Einsatzkräfte gehörte zu den Aufgaben des Verbandes während seiner Amtszeit. Über die „Feuerwehrhilfe Ukraine“ wurden nach DFV-Angaben innerhalb der ersten zwölf Monate Material und Ausrüstung im Wert von mehr als einer halben Million Euro beschafft.

2023 reiste Banse auf Einladung des ukrainischen Staatlichen Dienstes für Notfallsituationen selbst in das angegriffene Land. In Kiew, Butscha und weiteren Orten informierte er sich über die Arbeitsbedingungen der Feuerwehren und die Wirkung der deutschen Unterstützung. Bei den Gesprächen ging es unter anderem um den Schutz von Einsatzkräften und die besonderen Anforderungen bei Bränden nach Raketen- und Drohnenangriffen.

Europäischer Verband als neues Aufgabenfeld

Ein konkretes Ergebnis der internationalen Zusammenarbeit war 2025 die Gründung des Verbandes der Feuerwehren der Europäischen Union. Vertreter aus 21 EU-Ländern unterzeichneten in Berlin die Gründungsurkunde. Banse wurde zum ersten Präsidenten gewählt.

Die neue Organisation soll Feuerwehrinteressen gegenüber den Institutionen der Europäischen Union vertreten und den Austausch zwischen den nationalen Verbänden stärken. Banse hatte die Gründung gemeinsam mit seinen europäischen Amtskollegen vorbereitet. Damit übernahm er während seiner DFV-Präsidentschaft zusätzlich eine Führungsaufgabe auf europäischer Ebene.

Altersgrenze setzt der Amtszeit ein Ende

Eine zweite Amtszeit an der Spitze des deutschen Verbandes lässt die geltende Satzung für Banse nicht zu. Eine Wiederwahl ist nur bis zur Vollendung des 63. Lebensjahres möglich. Der inzwischen 64-Jährige überschreitet diese Grenze.

Sein Nachfolger Weltecke übernimmt am 27. Februar 2027. Der 50-jährige Rechtsanwalt aus Korbach gehört bereits seit 2016 als Vizepräsident zum DFV-Präsidium. Banse äußerte nach dessen Wahl Vertrauen in den künftigen Präsidenten und verwies auf die breite Zustimmung der Delegierten. Bis zur Übergabe führt er den Deutschen Feuerwehrverband weiter.