Christopher Gedeon will neuer Landrat des Landkreises Hildesheim werden. Vor der Stichwahl spricht der Kandidat über seine Erfahrungen aus dem Wahlkampf, die angespannte Lage im Rettungsdienst, steigende Sozialausgaben und lange Genehmigungsverfahren. Sein Ziel: eine Verwaltung, die schneller arbeitet, ihre Ausgaben kritisch prüft und wieder stärker auf die Anliegen der Bürger eingeht.

Seit rund einem Jahr ist Christopher Gedeon im Landkreis Hildesheim unterwegs. Er hat Veranstaltungen besucht, Gespräche geführt und dabei viele Menschen getroffen, die sich für die Zukunft ihrer Region interessieren. Der persönliche Austausch habe ihm gezeigt, wie unterschiedlich die Erwartungen an den künftigen Landrat seien – und zugleich, wie groß der Wunsch nach konkreten Veränderungen ist.

Mit seinem Ergebnis im ersten Wahlgang zeigt sich Gedeon zufrieden. Dass er die Stichwahl erreicht hat, versteht er als Auftrag, in den verbleibenden Tagen noch deutlicher herauszustellen, wofür er steht. Dabei will er nicht allein politische Sachfragen behandeln, sondern den Menschen auch zeigen, wie er das Amt persönlich ausfüllen möchte.

„Ich habe mich über das Ergebnis sehr gefreut“, sagt Gedeon. Nun gehe es darum, weitere Termine wahrzunehmen, seine Positionen zu erklären und möglichst viele Menschen von seinem Kurs zu überzeugen.

Landrat für die Mitte der Gesellschaft

Gedeon möchte nach eigener Aussage ein Landrat für die gesamte Bevölkerung sein. Das Amt dürfe nicht ausschließlich aus parteipolitischer Sicht geführt werden. Im Mittelpunkt müssten die Interessen des Landkreises und seiner Einwohner stehen.

Viele Stimmen aus dem ersten Wahlgang hätten gezeigt, dass sich der intensive Wahlkampf gelohnt habe. Gleichzeitig sei bei den zahlreichen Gesprächen deutlich geworden, dass es im Landkreis konkrete Missstände gebe, die gelöst werden müssten. Gedeon will den Landkreis als lebenswerte Region weiterentwickeln, sieht dafür jedoch erheblichen Handlungsbedarf.

Ein Problem sei das schwindende Vertrauen in politische Entscheidungen. Viele Bürger hätten den Eindruck, dass Politik und Verwaltung den Bezug zu ihrem Alltag verloren hätten. Diesem Gefühl müsse der künftige Landrat durch nachvollziehbare Entscheidungen, bessere Kommunikation und sichtbare Ergebnisse begegnen.

Bestehende Rettungswagen länger einsetzen

Als eines der dringendsten Themen bezeichnet Gedeon die angespannte Versorgungssituation im Rettungsdienst. Sofortmaßnahmen seien bislang nicht umgesetzt worden, könnten aus seiner Sicht jedoch vergleichsweise schnell auf den Weg gebracht werden.

Dazu müssten die Rettungsdienstbeauftragten des Landkreises mit den Trägern über eine Ausweitung der bestehenden Vorhaltezeiten nachverhandeln. Als Beispiele nennt Gedeon die Rettungswagen in Alfeld und Schellerten. Diese könnten künftig rund um die Uhr besetzt und damit 24 Stunden am Tag einsatzbereit gehalten werden.

Dabei gehe es ausdrücklich nicht darum, weitere Rettungswagen anzuschaffen oder zusätzliche Standorte aufzubauen. Zunächst müsse geprüft werden, ob die bereits vorhandenen Fahrzeuge länger als bisher eingesetzt werden können. Auf diese Weise ließe sich die Versorgung kurzfristig verbessern, ohne sofort neue Rettungswachen errichten zu müssen.

Neben solchen Sofortmaßnahmen brauche es eine grundlegende Überprüfung der bestehenden Strukturen. Ziel müsse es sein, den Rettungsdienst im gesamten Landkreis langfristig verlässlich aufzustellen und Versorgungslücken zu schließen. Dafür müsse der Landkreis auch bereit sein, die notwendigen finanziellen Mittel bereitzustellen.

Gleichzeitig gehe es nicht allein darum, mehr Geld auszugeben. Entscheidend sei, vorhandene Mittel wirksam einzusetzen. Teurer bedeute nicht automatisch besser.

Ausgaben steigen schneller als Einnahmen

Eine der größten Herausforderungen sieht Gedeon in der finanziellen Lage des Landkreises. Zwar stiegen die Einnahmen, die Ausgaben wüchsen jedoch noch schneller. Zusätzlich belasteten Zinsen und neue Verpflichtungen den Haushalt.

Besonders stark fallen nach seinen Angaben die Sozialausgaben ins Gewicht. Hilfen müssten weiterhin zuverlässig bei den Menschen ankommen, die sie benötigen. Gleichzeitig müsse geprüft werden, ob Leistungen und Verwaltungsabläufe besser organisiert werden könnten.

Gedeon fordert, sämtliche Ausgaben des Landkreises auf den Prüfstand zu stellen und deutliche Prioritäten zu setzen. Für neue Aufgaben oder zusätzliche Stellen müsse klar sein, welchen konkreten Nutzen sie bringen. Kritisch sieht er nach eigenen Angaben 6,25 zusätzliche Stellen im Landratsbüro, die für die Öffentlichkeitsarbeit geschaffen worden seien. Diese verursachten Mehrkosten von rund 500.000 Euro pro Jahr.

Der angestrebte finanzielle Kurswechsel könne nur gelingen, wenn neue Schulden begrenzt und Ausgaben konsequenter gesteuert würden. Pauschale Kürzungen seien dabei nicht das Ziel. Entscheidend sei, notwendige Leistungen zu sichern und gleichzeitig Strukturen zu hinterfragen, die unnötig Geld oder Zeit kosteten.

Lange Wartezeiten bei Bauanträgen

Kritik übt Gedeon an langwierigen Verwaltungs- und Genehmigungsverfahren. Bürger und Unternehmen dürften nicht jahrelang auf Entscheidungen warten. Gerade bei Bauanträgen könne es nicht sein, dass zusätzliches Personal eingestellt werde, die Verfahren für Antragsteller aber trotzdem nicht spürbar schneller würden.

Als Beispiel nennt Gedeon ein Millionenprojekt in Hildesheim. Ein Unternehmer, der rund 14 Millionen Euro investieren wolle, warte demnach seit zweieinhalb Jahren auf die Bearbeitung notwendiger Anträge. Solche Verzögerungen könnten Investitionen gefährden und schadeten letztlich der gesamten Region.

Auch die Kommunikation sei in diesem Fall ein Missstand. Nach Darstellung Gedeons habe der Unternehmer nach zweieinhalb Jahren nach dem Sachstand gefragt, darauf jedoch bis heute keine Antwort erhalten.

Die Verwaltung müsse ihre internen Abläufe überprüfen, Zuständigkeiten klarer regeln und die Kommunikation mit den zuständigen Aufsichtsbehörden verbessern. Gleichzeitig dürften gesetzliche Vorgaben sowie der Natur- und Artenschutz nicht übergangen werden. Ziel müsse ein Verfahren sein, das gründlich, rechtssicher und dennoch erheblich schneller ablaufe.

Lange Genehmigungsverfahren müssten nach Ansicht Gedeons zur Chefsache werden. Liege ein Antrag länger als zwei Jahre unbearbeitet in der Verwaltung, müsse sich der Landrat persönlich mit dem Vorgang befassen und klären, warum es nicht vorangehe und an welcher Stelle Probleme bestünden.

Dass sich solche Abläufe nicht von heute auf morgen verändern lassen, ist auch Gedeon bewusst. Dennoch müsse gehandelt und erkennbar an einer Beschleunigung der Verfahren gearbeitet werden.

Natur, Mobilität und ein flexiblerer Nahverkehr

Natur- und Artenschutz bleiben für Gedeon wichtige Aufgaben. Auch bei neuen Bau- und Infrastrukturprojekten müssten Umweltbelange berücksichtigt werden. Die verschiedenen Interessen dürften jedoch nicht gegeneinander ausgespielt werden. Stattdessen brauche es Lösungen, die Entwicklung ermöglichen und gleichzeitig verantwortungsvoll mit Flächen und natürlichen Ressourcen umgehen.

Handlungsbedarf sieht Gedeon zudem bei der Mobilität. Das Radwegenetz müsse weiter ausgebaut und der öffentliche Personennahverkehr attraktiver werden. Gerade im ländlichen Raum seien starre Fahrpläne und große Busse nicht immer die wirtschaftlichste oder bedarfsgerechteste Lösung.

Gedeon kann sich flexiblere Modelle vorstellen, bei denen Fahrgäste ihren Bedarf digital anmelden. Eine App könnte erfassen, wann und auf welchen Strecken Menschen eine Verbindung benötigen. Danach könnten Fahrzeiten, Routen und die Größe der eingesetzten Fahrzeuge mehrmals täglich an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden.

Ein vergleichbares Angebot besteht mit dem Sprinti bereits seit mehreren Jahren in der Region Hannover. Die Kleinbusse holen Fahrgäste nach vorheriger Buchung an festgelegten oder virtuellen Haltepunkten ab und bringen sie innerhalb des jeweiligen Bediengebietes an ihr gewünschtes Ziel. Für Gedeon könnte ein solches System auch ein Ansatz sein, um den Nahverkehr im ländlich geprägten Landkreis Hildesheim bedarfsgerechter aufzustellen.

Verwaltung soll schneller und bürgernäher werden

Für Gedeon entscheidet sich die Zukunft des Landkreises nicht nur an einzelnen Projekten. Wichtig sei eine Verwaltung, die Genehmigungen zügig bearbeitet, verständlich kommuniziert und ihre vorhandenen Kräfte effizient einsetzt.

Nach der Stichwahl wartet aus seiner Sicht deshalb eine umfangreiche Aufgabe: Die Versorgung im Rettungsdienst muss stabilisiert, der Haushalt geordnet, der Investitionsstau bewältigt und das Vertrauen der Menschen zurückgewonnen werden.

Gedeon macht deutlich, dass diese Probleme nicht von heute auf morgen verschwinden werden. Er verspricht jedoch, Entscheidungen nicht weiter aufzuschieben, Prioritäten offen zu benennen und den Landkreis stärker an den Bedürfnissen seiner Einwohner auszurichten.