Bei der Buggy-Bande finden Hildesheimer Eltern Anschluss
Tia Oertwig und Michelle Reisch haben in Hildesheim die Buggy-Bande gegründet. Bei gemeinsamen Spaziergängen können Eltern Kontakte knüpfen und Erfahrungen austauschen. Seit dem ersten Treffen Anfang Oktober sind bereits Bekanntschaften entstanden – sogar zwischen zwei Müttern, die direkt nebeneinander wohnen.
Sie hätten sich von ihren Balkonen aus unterhalten können. Kennengelernt haben sich die beiden Nachbarinnen nach Angaben der Organisatorinnen aber erst bei der Buggy-Bande. Solche Begegnungen wollen Tia Oertwig und Michelle Reisch mit ihrer Gruppe ermöglichen: rauskommen, gemeinsam unterwegs sein und Menschen kennenlernen, deren Alltag sich um ähnliche Fragen dreht.
Die 23-jährige Oertwig und die 31-jährige Reisch lernten sich im Krankenhaus kennen. Die Idee für die Gruppe entstand später im Rückbildungskurs. Inspiration lieferte der Mummy-Walk aus Hannover. Als sie andere Mütter fragten, ob diese Lust auf regelmäßige Treffen hätten, stießen sie sofort auf Begeisterung.
Um weitere Eltern zu erreichen, sprachen die beiden Menschen in der Stadt an und verteilten Flyer. Über Instagram kamen ebenfalls zahlreiche positive Rückmeldungen. Anfang Oktober traf sich die Buggy-Bande erstmals am Hohnsensee. Eine kleine „Kaffeebar“ mit Kaffee, Tee und Gebäck an der sich jeder bedienen konnte, gehörte zum Auftakt dazu.
„Man ist schließlich aus dem gleichen Grund hier“
Louisa Westerwell, 33, und Veronika Brugger, 27, wurden über Instagram auf die Gruppe aufmerksam. Einige Mütter kannten sie bereits, andere lernten sie bei den Treffen kennen. Anschluss zu finden, sei ihnen leichtgefallen. Schließlich seien alle aus einem ähnlichen Grund dabei.
Beide versuchen, möglichst an jedem Treffen teilzunehmen, sofern ihr Kalender es zulässt. Die Möglichkeit, sich mit anderen Eltern zu vernetzen, ist ihnen wichtig. Besonders schätzen sie das Zusammensein und den Austausch über unterschiedliche Themen. Dass daraus auch Freundschaften entstehen können, macht die Treffen für sie zusätzlich wertvoll.
Auf andere zuzugehen, empfinden sie in dieser Runde als unkompliziert. Im Alltag ergebe sich ein Gespräch zwischen Eltern nicht immer von selbst. Bei der Buggy-Bande erleben sie dagegen, dass die Teilnehmenden den Kontakt suchen und offen füreinander sind.
Diese Erfahrung teilen die Gründerinnen. Viele Mütter seien froh, einen Anlass zu haben, aus dem Haus zu kommen und andere Menschen zu treffen. Die Gespräche drehen sich häufig um die Kinder, reichen aber ebenso von Reisen über Kochen und Backen bis zu Gesundheitsthemen.
Den Austausch erleben Oertwig und Reisch bislang ohne Konkurrenz untereinander. Die Eltern würden ihre Kinder nicht miteinander vergleichen und seien schnell miteinander vertraut geworden. Erste Kontakte bestehen bereits über die gemeinsamen Spaziergänge hinaus.
Wechselnde Termine sollen die Teilnahme erleichtern
Einmal pro Woche soll sich die Buggy-Bande treffen. Dabei möchten die Organisatorinnen Wochentage und Uhrzeiten wechseln. Wer an einem festen Tag durch einen Kurs oder andere Verpflichtungen gebunden ist, soll dadurch ebenfalls Gelegenheit zur Teilnahme bekommen.
Zur Gruppe gehören nach Angaben der beiden inzwischen bis zu 20 Elternteile. Bei den einzelnen Treffen sind wegen anderer Termine oder Erkrankungen nicht immer alle dabei. Auch die Treffpunkte sollen wechseln. Für die Wege haben Oertwig und Reisch klare Anforderungen: Sie sollen barrierefrei sein und genügend Platz für Kinderwagen bieten. Bänke zum Ausruhen und Stillen sowie eine gute Erreichbarkeit mit Auto und Bus sind ihnen ebenfalls wichtig.
Hildesheim biete viele schöne Orte, an denen Familien verweilen und Kinder spielen könnten, finden die beiden. Als Beispiel nennen sie das Wildgatter in Ochtersum.
Bei schlechtem Wetter möchten sie auf Cafés ausweichen. Die Anregung dazu kam von einer teilnehmenden Mutter. Inzwischen hätten sich bereits mehrere Unternehmen und Cafés bei ihnen gemeldet und Unterstützung angeboten. Das Espresso House an der Arneken Galerie habe etwa auf seinen Kinderspielbereich hingewiesen. Auch die AWO in Itzum habe angefragt, ob dort ein Treffen stattfinden könne.
Sollte die Nachfrage weiter wachsen, können sich die Gründerinnen zusätzliche Spaziergänge vorstellen. Bei Bedarf wäre für sie auch eine Aufteilung nach dem Alter der Kinder denkbar.
Offen für Väter, Großeltern und werdende Eltern
Willkommen sind alle, die mit anderen Eltern ins Gespräch kommen möchten. Auch werdende Eltern und Großeltern können sich anschließen. Über mehr Väter in der Runde würde sich besonders Reischs Freund freuen. Er unterstütze das Projekt und wünsche sich, dass dadurch auch Väter stärker miteinander in Kontakt kommen.
Die Teilnahme ist kostenlos und unverbindlich. Bezahlt werden muss lediglich der eigene Verzehr, etwa bei einem Frühstück oder Cafébesuch. Eine Anmeldung ist keine Voraussetzung. Eine kurze Rückmeldung wünschen sich die Organisatorinnen dennoch, damit sie beispielsweise bei schlechtem Wetter ausreichend Plätze reservieren können.
Wie viel eine persönliche Einladung bewirken kann, erlebten sie nach eigener Schilderung bei einer englischen Mutter aus Manchester. Sie habe sich sehr darüber gefreut, angesprochen zu werden und andere Mütter kennenlernen zu können. Eine spanische Mutter nehme trotz sprachlicher Hürden regelmäßig teil.
Als hilfreich empfinden Oertwig und Reisch außerdem die unterschiedlichen beruflichen Erfahrungen innerhalb der Gruppe. Bei vielen Fragen könne jemand Wissen oder einen praktischen Hinweis beisteuern. Oertwig selbst ist medizinische Fachangestellte, Reisch arbeitet als Erzieherin in einem Hort. Ihre Rolle in der Buggy-Bande sehen sie vor allem als Organisatorinnen und Vermittlerinnen, die Menschen zusammenbringen.
Auch persönliche Grenzen werden zum Thema
Zu den Gesprächen gehören ebenso unangenehme Erfahrungen. Reisch berichtet von einer Situation, in der jemand ungefragt in ihren Kinderwagen griff. Sie sei so erschrocken gewesen, dass sie zunächst nicht gewusst habe, wie sie reagieren sollte.
Auch wenn Menschen dabei keine böse Absicht hätten, wünschen sich die beiden mehr Zurückhaltung. Eltern müssten schließlich auch für ihr Kind sprechen und dessen Grenzen vertreten. Die Gruppe bietet Gelegenheit, solche Erlebnisse anzusprechen und sich darüber auszutauschen.
Für die Zeit um Halloween ist zunächst ein gemeinsamer Spaziergang mit Lichterketten in der Abenddämmerung geplant. Er soll Ende Oktober oder Anfang November stattfinden. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.
Weitere Ideen haben Oertwig und Reisch bereits. Einen Yogakurs würden sie gern anbieten, dafür fehlen bislang ein geeigneter Raum und eine Kursleitung. Zudem wünschen sie sich mehr Zusammenarbeit mit Unternehmen, um den Familien im Alltag zusätzliche Unterstützung vermitteln zu können.
Im eigenen Umfeld sei ihre Idee anfangs teilweise belächelt worden, erzählen die beiden. Als die ersten Eltern dazukamen und die Gruppe wuchs, seien daraus Staunen und Begeisterung geworden.
Wie schnell neue Kontakte entstehen können, zeigen die beiden Nachbarinnen, die sich erst durch die Buggy-Bande kennengelernt haben. Manchmal wohnt jemand, mit dem man sich gut versteht, bereits nebenan. Was fehlt, ist eine Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen.
Für begeisterte die auch mitmachen möchten empfiehlt es sich Kontakt über Instagram aufzunehmen.

