STADTGESPRÄCHE - DER TALK OF THE TOWN 


Ein Brötchen mit Nackensteak. Das klingt nach einer Bestellung, bei der wenig schiefgehen kann. Hinter dem Tresen eines Imbiss steht heute eine "nette" Dame, die allerdings gerade etwas genervt wirkt. Sie verweist den Kunden auf das Bild über ihm. Dort sei das Angebot zu sehen. Und schon zischt sie den Kunden an: "Zwiebeln haben wa heute nicht mehr." Das war scharf, gut das ich meinen Grünkohl schon habe. Ja gut, damit ist die Lage wenigstens geklärt, das da oben kannste kaufen, aber keine Zwiebeln. Beim Verkehr rund um Hildesheim braucht es dafür etwas mehr Aufwand. Welche Zufahrt ist offen? Wo beginnt die nächste Sperrung? Und führt die ausgeschilderte Umleitung tatsächlich an den Baustellen vorbei?

Warum wird so viel gleichzeitig gebaut?

An der Bundesstraße 243 bei Ochtersum ist seit Mittwoch der zweite Bauabschnitt eingeleitet. Diesmal ist die Fahrtrichtung Bockenem betroffen. Für die Erneuerung der Fahrbahndecke und den Austausch der Leitplanken sind weitere acht bis zehn Wochen vorgesehen. Gleichzeitig ist die Bundesstraße 494 ab Asel in Richtung Hildesheim gesperrt. Die Gemeinde Harsum nennt dafür den Zeitraum vom 6. Oktober bis zum Jahresende.

Jede dieser Maßnahmen hat einen Zweck. Fahrbahnen verschleißen, Leitplanken müssen erneuert werden. Trotzdem beantwortet die Notwendigkeit einer einzelnen Baustelle noch keine Frage zur Gesamtplanung: Warum müssen sich die Einschränkungen an mehreren wichtigen Zufahrten zeitlich überschneiden? Welche Alternativen wurden geprüft? Wie viel zusätzlichen Verkehr vertragen die Ausweichstrecken?

Wer täglich zur Arbeit fährt, braucht eine nachvollziehbare Erklärung dafür, weshalb ihm gerade diese Kombination zugemutet wird. Eine Liste einzelner Baustellen reicht dafür kaum aus. Die Belastung entsteht schließlich unterwegs, wenn mehrere Maßnahmen auf derselben Fahrt zusammenkommen.

Bundesstraße 243: Warum kein Gegenverkehr?

Bei der Bundesstraße 243 drängt sich eine konkrete Frage auf: Warum wird der Verkehr während der Arbeiten nicht in beiden Richtungen über die jeweils andere Fahrbahn geführt?

Die Landesbehörde begründet die Sperrung der betroffenen Richtungsfahrbahn mit einem schnellen Baufortschritt und der Sicherheit der Beschäftigten. Das sind berechtigte Anliegen. Ihre veröffentlichte Mitteilung erklärt allerdings nicht konkret, weshalb eine Gegenverkehrsführung auf der anderen Fahrbahn ausscheidet.

Wurde diese Möglichkeit geprüft? Fehlt die notwendige Breite? Lassen sich sichere Überleitungen nicht herstellen? Stehen Arbeiten an den Leitplanken oder die Lage der Anschlüsse entgegen? Das sind Fragen an die Planung, keine fertigen technischen Antworten.

Aus dem Auto heraus lässt sich die Machbarkeit eines Gegenverkehrssystems kaum beurteilen. Von der zuständigen Behörde darf man aber erwarten, dass sie ihre Entscheidung verständlich erläutert. Wer wochenlang Umwege fahren soll, möchte wissen, weshalb eine weniger belastende Verkehrsführung nicht möglich ist.

Bundesstraße 494: Die Umleitung trifft auf die nächste Baustelle

Die ausgeschilderte Umleitung der Bundesstraße 494 führt zunächst nach Clauen, anschließend über die Landesstraße 411 und die Bundesstraße 1 nach Hildesheim. Das bestätigt die Gemeinde Harsum.

Auf dieser Strecke trifft der umgeleitete Verkehr wiederum auf den Baustellenbereich an der Berliner Straße. Die Stadt führt in ihren Informationen zum Gefahrenabwehrzentrum eine Fahrbahneinengung an der Berliner Straße auf. Damit stellt sich die nächste Frage: Wie gut eignet sich eine Strecke als Umleitung, wenn dort selbst gebaut wird?

Eine Umleitung muss nicht vollständig frei von Baustellen sein. Entscheidend ist, ob sie den zusätzlichen Verkehr bewältigen kann. Genau dazu braucht es Auskunft: Wurden die Einschränkungen an der Bundesstraße 1 bei der Planung berücksichtigt? Sind die Ampelschaltungen auf den zusätzlichen Verkehr abgestimmt? Welche anderen Strecken wurden geprüft und aus welchen Gründen verworfen?

Ein gelbes Schild weist den Weg. Ob dieser Weg im Berufsverkehr funktioniert, ist eine andere Frage.

Verständnis braucht eine Erklärung

"Was, wieder offen? Es war doch so ruhig hier." trauert eine Fahrradfahrerin am morgen, die über die Bundesstraße fahren möchte. Ja, seit dem Morgen ist es wieder lauter, mehr Verkehrsaufkommen und es wird wieder kompliziert über die Straße zu kommen, wenn alle Autofahrer, die in die Stadt wollen, wieder den Standardweg nehmen. Am Imbisstresen ist die Sache einfacher. Das Bild hängt oben, die Zwiebeln sind aus. Die Dame muss dafür keine Verkehrsplanung vorlegen. Ihr etwas genervter Hinweis gehört zu einem alltäglichen Moment, den man nicht größer machen muss, als er ist.

Bei wochenlangen Straßensperrungen gelten andere Maßstäbe. Zusätzliche Wege kosten Zeit und Kraftstoff. Wer feste Arbeitszeiten oder Termine hat, muss diese Belastung in seinen Alltag einbauen. Da ist die Bitte um Verständnis schnell ausgesprochen.

Die Verantwortlichen sollten ebenso konkret erklären, wie sie die Belastung begrenzen: weshalb Baustellen gleichzeitig laufen müssen, warum an der Bundesstraße 243 kein Gegenverkehr eingerichtet wird und wie die Bundesstraße 1 den Umleitungsverkehr trotz eigener Bauarbeiten aufnehmen soll.

Das Nackensteakbrötchen gibt es heute ohne Zwiebeln. Bei der Verkehrsplanung sollten die Antworten möglichst vollständig sein. Übrigens, wegen der fehlenden Zwiebeln ging das Brötchen dann wieder hinter den Verkaufstresen. War wohl doch keine Straße die der Kunde nehmen wollte.