Hildesheim hat im Smart City Index 19 Plätze gewonnen und steht nun auf Rang 60 von 83 Großstädten. Das ist ein Fortschritt. Die Detailergebnisse zeigen aber auch, dass vor allem die Arbeit innerhalb der Verwaltung besser bewertet wird. Bei Online-Anträgen, Terminvergaben und digitalen Verkehrsangeboten gibt es weiterhin Schwächen.
Von Platz 79 auf Platz 60: Hildesheims Sprung im Smart City Index kann sich sehen lassen. Wer wissen will, was sich für die Menschen in der Stadt verbessert hat, muss allerdings tiefer in die Zahlen schauen. Der Digitalverband Bitkom bewertet fünf Bereiche, von der Verwaltung über die Internetversorgung bis zur Mobilität. Ein guter Wert für elektronische Akten im Rathaus sagt dabei noch wenig darüber aus, wie einfach Bürger einen Antrag stellen können.
Der größte Fortschritt findet im Rathaus statt
Am deutlichsten hat Hildesheim in der Verwaltung aufgeholt. Dort steigt die Stadt von Rang 61 auf Rang 35. Bitkom bewertet ihre internen digitalen Abläufe mit der vollen Punktzahl. Elektronische Akten und ein Dokumentenmanagementsystem sind nach Angaben des Verbands in allen Ämtern im Einsatz. Auch künstliche Intelligenz gehört inzwischen zu den bewerteten Anwendungen.
Das kann die Bearbeitung von Vorgängen erleichtern. Für Bürger zählt aber auch der Weg bis zur Verwaltung: Ist der passende Dienst schnell zu finden? Kann ein Antrag online abgeschickt werden? Sind Termine verfügbar? Genau an dieser Stelle ist das Bild weniger glänzend als bei den internen Abläufen.
Online-Anträge: besser bewertet, aber längst nicht an der Spitze
Bei den von Bitkom untersuchten Online-Verwaltungsleistungen verbessert sich Hildesheims Wert von 38,9 auf 66,7 Punkte. Das ist ein deutlicher Schritt. Zugleich bleibt ein Drittel bis zum Bestwert der diesjährigen Vergleichsskala. Die Online-Terminvergabe erhält 70 Punkte; die Bewertung von Internetseite und Social-Media-Angeboten liegt bei 55,3 Punkten.
Die Tabellen zeigen damit, dass Bitkom mehr digitale Angebote und bessere Grundlagen erfasst hat. Sie zeigen nicht, ob ein Antrag ohne Medienbruch bis zum Bescheid bearbeitet wird oder wie leicht ein Nutzer durch das Verfahren kommt. Genau das wäre der Maßstab für einen Bürgerdienst, der seinen Namen verdient.
Beim Verkehr bleibt Hildesheim weit hinten
Die deutlichste Schwachstelle ist die Mobilität. Zwar steigt Hildesheims Wert hier von 35,2 auf 52,7 Punkte. Im Vergleich der 83 Städte reicht das aber nur für Platz 73. Besonders niedrig fallen in der aktuellen Erhebung die Bewertungen für den smarten öffentlichen Nahverkehr und für Angebote aus, die verschiedene Verkehrsmittel digital miteinander verbinden.
Hier wird der Unterschied zwischen Aufholen und gut dastehen besonders klar: Hildesheim erzielt mehr Punkte als im vergangenen Jahr, bleibt im Städtevergleich aber fast am Ende der Tabelle. Der Ausbau der Ladeinfrastruktur, den Bitkom ausdrücklich hervorhebt, macht aus der Stadt noch keine Vorreiterin bei digitalen Verkehrsangeboten.
Auch bei der digitalen Infrastruktur gibt es Lücken
Im Bereich IT und Kommunikation steigt Hildesheim auf Platz 58. Die detaillierten Ergebnisse zeigen hohe Werte bei Breitband und Mobilfunk, aber einen auffällig niedrigen Wert beim Glasfaser-Indikator. Das ist ein weiterer Grund, die Gesamtplatzierung nicht als pauschales Gütesiegel für die digitale Versorgung zu lesen. Je nachdem, worauf Menschen und Unternehmen angewiesen sind, sieht die Lage unterschiedlich aus.
Platz 60 ist ein Anfang, kein Grund zum Zurücklehnen
Hildesheim hat im Smart City Index erkennbar aufgeholt. Besonders die Verwaltung und der Bereich Energie und Umwelt schneiden besser ab als im Vorjahr. Trotzdem liegt die Stadt insgesamt auf Rang 60 – und bei der Mobilität sogar auf Rang 73. Der Sprung um 19 Plätze ist deshalb eine gute Nachricht mit deutlichen Einschränkungen.
Ob die Digitalisierung bei den Menschen ankommt, entscheidet sich nicht am Rang im nächsten Index. Entscheidend ist, ob ein Termin ohne Mühe gebucht werden kann, ein Online-Antrag tatsächlich Zeit spart und digitale Informationen unterwegs verlässlich helfen. An diesen Punkten muss Hildesheim seinen Aufstieg nun messen lassen.
