Baustelle, Zugausfall, Ersatzverkehr – und das über Wochen
Wer derzeit mit der Bahn zwischen Hildesheim und Hannover unterwegs ist, braucht erneut Geduld. Vom 5. bis zum 26. September kommt es auf der Linie RE10 zu Teilausfällen. Betroffen ist der Abschnitt zwischen Hildesheim und Hannover mit den Zwischenhalten Emmerke, Barnten und Sarstedt.
Die entsprechenden Züge fallen zwischen Hildesheim und Hannover in beiden Richtungen aus. Fahrgäste sollen stattdessen die S4 nutzen. Für einzelne Verbindungen richtet Erixx einen Ersatzverkehr mit Bussen ein.
Doch auch auf anderen Linien wird das Angebot gleichzeitig eingeschränkt.
S3 nur noch stündlich – S51 fällt komplett aus
Wegen Weichenarbeiten entfallen vom 7. bis einschließlich 25. September, jeweils montags bis freitags, die zusätzlichen Fahrten der S3 zwischen Hildesheim und Lehrte. Statt des bisherigen Zwischentakts bleibt lediglich die reguläre stündliche Verbindung.
Für den morgendlichen Schülerverkehr sollen Ersatzbusse eingesetzt werden.
Noch härter trifft es die Fahrgäste der S51: Die Linie fällt während des gesamten Zeitraums montags bis freitags vollständig aus. Einen eigenen Schienenersatzverkehr gibt es nach Angaben der S-Bahn Hannover nicht. Reisende sollen auf die S5 ausweichen. S-Bahn Hannover
Damit werden nahezu zeitgleich der RE10, der zusätzliche Takt der S3 und die S51 eingeschränkt. Als Alternative bleibt häufig eine andere Bahnlinie, die dadurch wiederum mehr Fahrgäste aufnehmen muss.
Schon wieder dieselbe Situation
Es ist nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass die Verbindungen zwischen Hildesheim und Hannover erheblich eingeschränkt werden. Bereits im April fiel die durchgehende S3-Verbindung über Lehrte über mehrere Wochen aus. Gleichzeitig gab es Bauarbeiten auf der Alternativstrecke über Sarstedt.
Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte damals eine mangelhafte Koordination der Baustellen. Weil RE10-Verbindungen in Hildesheim endeten und teilweise nur die S4 übrig blieb, kam es nach Angaben des Verbandes zu überfüllten Zügen. In Emmerke sollen Fahrgäste zeitweise gar nicht mehr zugestiegen sein
Nun wiederholt sich zumindest ein Teil dieses Problems: Der RE10 fällt auf einzelnen Fahrten zwischen Hildesheim und Hannover aus, während gleichzeitig weitere Verbindungen reduziert oder vollständig gestrichen werden.
Die Bahn baut – aber wer denkt an die Fahrgäste?
Dass ein marodes Schienennetz saniert werden muss, steht außer Frage. Weichen, Gleise, Bahnsteige und Oberleitungen lassen sich nicht erneuern, ohne den Verkehr zeitweise einzuschränken. Entscheidend ist jedoch, wie solche Arbeiten geplant werden.
Warum werden mehrere Verbindungen in derselben Region gleichzeitig eingeschränkt? Reichen die verbleibenden Züge tatsächlich aus? Können Pendler, Schüler und Berufstätige zuverlässig zur Arbeit oder zur Schule kommen? Und weshalb gibt es für einen vollständigen Ausfall wie bei der S51 keinen eigenen Ersatzverkehr?
Für die Verantwortlichen handelt es sich um verschiedene Baumaßnahmen, Betreiber und Linien. Für den Fahrgast ist diese Aufteilung nebensächlich. Er möchte morgens einsteigen und pünktlich ankommen.
Ist diese Bahn noch zu retten?
Die Bahn soll eine Alternative zum Auto sein. Dafür muss sie aber zuverlässig, planbar und ausreichend leistungsfähig sein. Wer regelmäßig vor ausgefallenen Zügen, geänderten Fahrplänen oder überfüllten Ersatzverbindungen steht, verliert irgendwann das Vertrauen.
Ja, das Schienennetz muss dringend saniert werden. Aber wenn ausgerechnet während der Sanierung mehrere Alternativen gleichzeitig wegbrechen, wird aus notwendigem Bauen ein Organisationsproblem.
Die Bahn ist vermutlich noch zu retten. Doch dafür reicht es nicht, neue Gleise und Weichen einzubauen. Auch die Planung muss funktionieren – und zwar aus Sicht der Menschen, die täglich auf diese Verbindungen angewiesen sind.


