STADTGESPRÄCHE - DER TALK OF THE TOWN 

Eine neue Jacke müsste her. Vielleicht ein Pullover. Es wird kälter, und irgendwann reicht es nicht mehr, die Hände tiefer in die Taschen zu stecken. Also in die Hildesheimer Innenstadt? Nach meiner Runde durch mehrere Läden scheint das inzwischen eine Frage zu sein, über die man erst einmal nachdenkt.

Zum Arzt reicht’s noch

7,50 Euro für drei Stunden Parken, 90 Euro monatlich für einen Dauerparkplatz. Den Betroffenen ist das zu teuer. Besonders für einen Stadtbummel, bei dem noch gar nicht feststeht, ob man etwas findet.

Der Arzttermin bleibt notwendig. Der anschließende Abstecher ins Geschäft lässt sich streichen. Zurück zum Auto, ab nach Hause. Der Arzt hat seinen Patienten gesehen. Der Händler jedoch lange nicht mehr.

Das Auto hat währenddessen schon eingekauft bevor man weder Arzt noch Händler gesehen hat. Ohne Anprobe und Rückgaberecht.

Der kostenlose Bus hilft denjenigen, die eine passende Verbindung haben. Vom Dorf aus steht womöglich erst die Fahrt zum Park-and-ride-Platz an. Umsteigen, weiterfahren, später mit Taschen zurück. Kostenlos klingt gut. Wer wenig Zeit hat, rechnet trotzdem nach. Man stelle sich vor: Kind, Tasche und Einkauf in den Bus und ab.. ja aber wohin? Nachhuase wäre da wohl erst der zweite Schritt. Der Kollaps kommt spätestens mit Kinderwagen.

Die Frisur sitzt, der Pullover fehlt

Weniger Auswahl, dafür mehr Cafés und Barbershops: Dieser Eindruck zieht sich durch die besuchten Geschäfte. Gegen Kaffee und einen Haarschnitt spricht wenig. Wer einen Winterpullover sucht, kann sich allerdings schlecht ersatzweise die Seiten kürzen lassen.

Ob der Leerstand insgesamt zunimmt, müsste eine Bestandsaufnahme zeigen. Die einzelnen leeren Schaufenster sieht man auch ohne Statistik. Und wer seinen Laden mehrfach vermisst hat, fährt beim nächsten Einkauf vielleicht gleich woanders hin.

Abends kommt bei manchen noch Unbehagen hinzu. Besonders am Bahnhof werden aggressiv empfundenes Verhalten geschildert. Daraus lässt sich keine Kriminalitätsentwicklung ableiten. Für jemanden, der deshalb wegbleibt, ist die Sorge trotzdem real. Entspannt einkaufen und anschließend sicher nach Hause kommen: So anspruchsvoll sollte dieser Wunsch eigentlich nicht sein.

Portemonnaie weg, Bürokratie da

Eine Frau erzählt von ihrer verschwundenen Geldbörse. Führerschein und weitere Dokumente fehlen. Alles neu zu beschaffen, kostet sie nach ihrer Schilderung nicht nur Geld sondern auch reichlich Nerven.

Der Verlust geht schnell. Den vorherigen Zustand wiederherzustellen, beschäftigt einen erheblich länger. Man möchte einfach seine Papiere zurück und hat stattdessen eine neue Aufgabe im ohnehin vollen Alltag.

Danach braucht man vermutlich einen Kaffee. Dafür wäre in der Innenstadt immerhin gesorgt.

Die Tauben bleiben

Während Ratten vor allem zwischen Kaiserstraße und Bahnhof genannt werden, fallen weiter oben die Tauben auf. Besonders an der Jakobistraße beim früheren Tedi und am ehemaligen Galeria-Kaufhof-Gebäude. Leer stehende Bereiche bieten ihnen offenbar Ruhe.

Nach einem Durchgang der Stadtreinigung seien vor einem Geschäft zunächst weniger Tiere gewesen. Die leeren Flächen bleiben allerdings.

Tauben brauchen keine Laufkundschaft. Dass weniger los ist, dürfte sie kaum stören. Händler sehen das verständlicherweise anders.

Die Tauben bleiben länger. Die müssen ja auch kein Geld für Parkgebühren zahlen.