Mehr als 140 Jahre lang gehörte das Katasteramt zu Alfeld. Generationen von Vermessern arbeiteten hier – zunächst mit Fluchtstangen, Bahn, Fuhrwerk und Fahrrad, später mit moderner Vermessungstechnik und schließlich mit digitalen Geodaten. Nun endet diese Geschichte: Zum 1. Oktober 2026 wird das Katasteramt Alfeld geschlossen und mit dem Katasteramt Hildesheim zusammengelegt.

Damit verliert der südliche Landkreis eine traditionsreiche Behörde. Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet die Schließung vor allem einen neuen Ansprechpartner: Künftig werden sämtliche Aufgaben des Katasteramtes für den gesamten Landkreis Hildesheim vom Standort am Langelinienwall in Hildesheim übernommen.

Die Schließung kommt nicht überraschend. Bereits am 19. Mai 2025 hatte das niedersächsische Landeskabinett eine umfassende Neuordnung der Vermessungs- und Katasterverwaltung beschlossen. Von bislang 53 Katasterämtern in Niedersachsen werden 14 aufgelöst und mit anderen Standorten zusammengeführt.

Hintergrund sind nach Angaben des Landes Veränderungen der vergangenen Jahrzehnte und insbesondere die zunehmende Digitalisierung. Niedersachsen setzt künftig auf größere Standorte, an denen Personal und Fachwissen gebündelt werden.

Elf Beschäftigte verlassen Alfeld

Einen Personalabbau soll es durch die Schließung nicht geben. Die elf Beschäftigten, die zuletzt noch in Alfeld tätig waren, erhalten andere Arbeitsplätze innerhalb der Regionaldirektion Hameln-Hannover.

Der überwiegende Teil wechselt nach Hildesheim. Andere Beschäftigte nehmen Versetzungsangebote nach Hameln oder Hannover wahr.

Das Katasteramt Hildesheim wächst dadurch deutlich. Nach kleineren Umbauarbeiten sollen dort künftig insgesamt 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter arbeiten.

Während also der Behördenstandort in Alfeld verschwindet, bleiben die Stellen erhalten.

Was ändert sich für Bürger?

Ab dem 1. Oktober gibt es für den Landkreis Hildesheim nur noch einen Katasteramtsstandort. Wer beispielsweise eine Grundstücksteilung, Grenzfeststellung oder Gebäudeeinmessung benötigt, muss sich künftig an Hildesheim wenden.

Das gilt ebenso für amtliche Lagepläne und weitere Dienstleistungen des Vermessungswesens.

Viele Behördengänge sind allerdings längst nicht mehr zwangsläufig mit einem persönlichen Besuch verbunden. Vermessungen, Lagepläne und Wertgutachten können beispielsweise online beantragt werden. Amtliche Kartenauszüge werden ebenfalls digital angeboten.

Schon heute weist das LGLN darauf hin, dass zahlreiche Geobasisdaten frei digital zur Verfügung stehen. Genau diese Entwicklung ist einer der Gründe dafür, dass kleinere Katasterstandorte aus Sicht des Landes nicht mehr in der bisherigen Zahl erforderlich sind.

Für Alfeld bedeutet diese Entwicklung allerdings das Ende einer Institution, deren Geschichte bis weit in das 19. Jahrhundert zurückreicht.

1885 beginnt die Geschichte in Alfeld

Das Katasteramt Alfeld wurde 1885 eingerichtet. Anlass war die damalige Kreisreform mit den Kreisen Alfeld und Gronau.

Vermessungsarbeit bedeutete damals etwas völlig anderes als heute. Die Mitarbeiter mussten hinaus zu Grundstücken, Grenzen und Gebäuden – allerdings ohne Auto, Satellitennavigation oder digitale Karten.

In weitläufigen Dienstbezirken konnte der Amtsleiter über längere Zeit im Außendienst unterwegs sein.

Was aus heutiger Sicht kaum noch vorstellbar erscheint: Selbst bis in die 1950er-Jahre standen für diese Arbeit keine Dienstwagen zur Verfügung.

Die Vermesser reisten mit der Bahn, mit Fuhrwerken – oder schlicht mit dem Fahrrad.

Mit Fluchtstangen auf dem Fahrrad zum nächsten Termin

Besonders anschaulich zeigt eine überlieferte Episode, wie grundlegend sich die Arbeit verändert hat.

Musste ein Vermesser mit dem Fahrrad zu einem Termin, wurden die rot-weißen Fluchtstangen an der Fahrradstrebe befestigt. Das weitere Material kam in den Rucksack.

So ging es zum nächsten Vermessungstermin.

Heute übernehmen Satellitensysteme, digitale Messgeräte und Geoinformationssysteme einen erheblichen Teil der Arbeit, für die früher zahlreiche manuelle Arbeitsschritte notwendig waren.

Auch der Behördenalltag war ein anderer. Sprechtage des Katasteramtes fanden damals freitags und sogar samstags statt.

Zwischenzeitlich bekam Gronau ein eigenes Katasteramt

Die Frage nach der Entfernung zu einer Behörde spielte damals eine wesentlich größere Rolle. Knapp zwei Jahrzehnte nach der Einrichtung des Alfelder Amtes entstand deshalb zusätzlich ein Katasteramt in Gronau.

Die Wege sollten für Bürger und Beschäftigte kürzer werden.

1936 war damit allerdings wieder Schluss. Die Katasterämter Alfeld und Gronau wurden vereinigt, der Standort Gronau geschlossen.

Diese Struktur hatte anschließend rund 45 Jahre Bestand.

1981 folgte die nächste größere Neuordnung. Unter dem Gedanken „Ein Landkreis, ein Katasteramt“ wurden Alfeld und Hildesheim unter eine gemeinsame Behördenleitung gestellt. Der Behördenleiter hatte seinen Sitz in Hildesheim, die beiden Häuser arbeiteten allerdings weiterhin weitgehend eigenständig.

Auch dabei blieb es nicht dauerhaft.

Die Zusammenfassung wurde zwischenzeitlich wieder aufgegeben, ehe 1996 die Vermessungs- und Katasterbehörde Alfeld/Hildesheim entstand – dieses Mal mit Hauptsitz in Alfeld.

Weitere Reformen folgten.

Seit 2005 bildeten Alfeld, Hameln, Hildesheim und Rinteln in unterschiedlichen organisatorischen Konstruktionen eine Einheit. Zeitweise gehörte auch Holzminden dazu, später kam Hannover zum Verbund.

Jetzt verschwindet Alfeld endgültig aus dieser Struktur.

Auch innerhalb Alfelds wanderte das Katasteramt

In den Anfangsjahren hatte die Behörde nicht einmal ein dauerhaftes eigenes Dienstgebäude.

Das Katasteramt war eng mit der Wohnung des jeweiligen Amtsleiters verbunden. Wechselte die Leitung, wechselte deshalb mitunter auch die Adresse der Behörde.

Erst nach 1924 stellte der Staat ein eigenes Büro in der Paulistraße 11 zur Verfügung.

Später folgten weitere Standorte in der Bahnhofstraße 3 und an der Burgfreiheit 4.

1966 zog das Katasteramt erneut um und bezog Räume in der Ravenstraße 8.

Seit 1995 befindet sich die Behörde schließlich in der Neuen Wiese 11. Mehr als drei Jahrzehnte später wird dort nun das letzte Kapitel der Alfelder Katastergeschichte geschrieben.

Einst zwei Mitarbeiter – später waren es 35

Auch die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen erzählt viel über die Geschichte der Behörde.

In den Anfangsjahren bestand das Katasteramt lediglich aus zwei Personen: dem Amtsleiter und einem Mitarbeiter.

Erst nach 1920 wuchs die Belegschaft auf fünf Beschäftigte. In den folgenden Jahrzehnten nahm die Zahl immer weiter zu.

1995 arbeiteten schließlich 35 Menschen beim Katasteramt Alfeld.

Danach setzte die technische Entwicklung einen gegenteiligen Trend in Gang. Computer ersetzten immer mehr manuelle Arbeitsschritte, Datenbestände wurden digitalisiert und zahlreiche Verfahren automatisiert.

Am Ende seiner Geschichte zählt der Standort noch elf Beschäftigte.

Damit schließt sich gewissermaßen ein Kreis: Während früher zusätzliche Standorte eingerichtet wurden, um lange Wege zu vermeiden, macht die Digitalisierung heute genau das Gegenteil möglich – Aufgaben können unabhängig vom ursprünglichen Standort bearbeitet werden.

Alfeld ist kein Einzelfall

Die Schließung ist Teil einer wesentlich größeren Reform in Niedersachsen.

Von 53 Katasterämtern werden 14 als eigenständige Standorte aufgelöst. Künftig soll die Vermessungs- und Katasterverwaltung an 39 Standorten sowie zwei unselbstständigen Außenstellen vertreten sein.

Betroffen sind beispielsweise auch Standorte in Delmenhorst, Brake, Emden, Wilhelmshaven und Fallingbostel. Teilweise sind die Zusammenlegungen bereits erfolgt.

Auch innerhalb der Regionaldirektion Hameln-Hannover verändert sich die Landkarte der Behörden erheblich.

Fast zeitgleich mit Alfeld verschwindet das Katasteramt Rinteln. Der dortige Standort wird zum 21. September mit dem Katasteramt Hameln zusammengelegt. Danach bleiben innerhalb der Regionaldirektion noch die Katasterämter Hameln, Hannover und Hildesheim.

Die drei Standorte sollen personell gestärkt werden und künftig als größere Kompetenzzentren arbeiten.

Grundstücksgrenzen, Bauvorhaben und Immobilienwerte

Auch wenn Katasterämter für viele Menschen im Alltag kaum sichtbar sind, spielen ihre Daten bei zahlreichen wichtigen Entscheidungen eine Rolle.

Dazu gehören unter anderem Gebäudeeinmessungen, Grundstücksteilungen und Grenzfeststellungen. Wer bauen möchte, benötigt möglicherweise einen amtlichen Lageplan. Auch Informationen über Grundstücke und amtliche Karten stammen aus diesem Bereich.

Darüber hinaus beschäftigt sich die Verwaltung mit Immobilienwertermittlung, Bodenordnung und Geobasisdaten.

Aus den früheren Karten, Akten und Vermessungsbüchern ist damit längst eine hochgradig digitale Infrastruktur geworden.

Und genau diese Digitalisierung macht es möglich, dass die Aufgaben des Alfelder Amtes künftig vollständig in Hildesheim erledigt werden können.

Aus Fluchtstangen werden Geodaten

Damit endet in Alfeld weit mehr als nur der Betrieb eines Verwaltungsstandortes.

Als das Katasteramt 1885 seine Arbeit aufnahm, waren Vermesser teilweise tagelang unterwegs. Fluchtstangen wurden am Fahrrad befestigt, Unterlagen und Instrumente im Rucksack transportiert und Grundstücksdaten auf Papier geführt.

141 Jahre später können amtliche Karten auf dem Bildschirm aufgerufen und Anträge digital übermittelt werden.

Die technische Entwicklung, die die Arbeit des Katasteramtes über Jahrzehnte erleichtert hat, trägt damit am Ende auch dazu bei, dass ein eigener Standort in Alfeld nicht mehr bestehen bleibt.

Am 1. Oktober 2026 endet die Geschichte des Katasteramtes Alfeld. Die Vermessung bleibt – aber nach mehr als 140 Jahren verschwindet die Behörde aus der Stadt.