STADTGESPRÄCHE - THE TALK OF THE TOWN
Hildesheim macht sich bereit für Halloween. Kürbisse bekommen Fratzen, Kinder legen ihre Kostüme zurecht, Erwachsene prüfen die Süßigkeitenvorräte. Wer sich besonders furchteinflößend verkleiden möchte, geht dieses Jahr als marode Brücke. Dazu reicht ein Schild um den Hals: „Muss ersetzt werden.“ Das versteht man hier in Hildesheim sofort.
Der erste Schrecken wartet allerdings schon vor dem Klingeln an der Haustür: Halloween fällt auf einen Samstag und zugleich auf den Reformationstag. Supermärkte und die meisten anderen Geschäfte bleiben deshalb geschlossen. Anschließend ist Sonntag. Wer seinen regulären Wochenendeinkauf erledigen möchte, sollte das am Freitag tun. Für bestimmte Verkaufsstellen gelten Ausnahmen, etwa für Tankstellen und Bäckereien.
Zwei Tage ohne Supermarkt. Da bekommt die letzte Rolle Toilettenpapier im Einkaufswagen plötzlich die Bedeutung eines strategischen Vorrats. Und wer am Samstagabend den Kindern die Tür öffnet und nur noch eine Dose Kichererbsen anbieten kann, hat Halloween immerhin sehr eigenständig interpretiert.
Beim Gruselprogramm kann Hildesheim ohnehin einiges aus dem Bestand beisteuern. Für die Padang-Brücke ist ein Ersatzneubau in Planung. Andere Städte hängen künstliche Spinnweben auf, wir beschäftigen uns mit der Tragwerksplanung. Das hält länger vor als eine Halloweenparty.
Zwischen kaputten Brücken und gesperrten Wegen bekommt auch „Süßes oder Saures“ einen örtlichen Zusatz: „Wie kommen wir denn überhaupt zu euch?“ Vielleicht gehört zum Kinderkostüm künftig eine Umleitungskarte. Der kleine Vampir findet sein Ziel dann wenigstens ohne die Hilfe eines Erwachsenen, der ebenfalls gerade ratlos vor der Absperrung steht.
Dabei wäre eine Brücke, über die man einfach gehen kann, schon ein ausgesprochen angenehmer Anblick. Ganz ohne Nervenkitzel.
Bis dahin gilt für dieses Wochenende: Süßigkeiten rechtzeitig kaufen und den Heimweg prüfen. Es wäre doch ärgerlich, wenn die Schokolade reicht, aber die Verbindung abreißt.

