Schneller surfen, stabiler telefonieren und unterwegs seltener ohne Empfang dastehen: Die Telekom hat ihr Mobilfunknetz im Landkreis Hildesheim weiter ausgebaut. An vier bestehenden Standorten wurde zusätzliche Technik für 4G und 5G installiert. Zwei der Anlagen befinden sich im Stadtgebiet von Hildesheim, jeweils eine weitere in Bockenem und Schellerten.
Die Erweiterungen sollen vor allem dort für Entlastung sorgen, wo besonders viele Menschen gleichzeitig das Mobilfunknetz nutzen. Zusätzliche Kapazitäten können höhere Datenraten ermöglichen und verhindern, dass Verbindungen bei starker Auslastung spürbar langsamer werden. Nach Angaben des Unternehmens verbessert sich zugleich die Versorgung im Umfeld der Standorte.
Wo genau die aufgerüsteten Anlagen stehen, welche Frequenzen eingesetzt werden und welche Übertragungsgeschwindigkeiten vor Ort möglich sind, teilt die Telekom allerdings nicht mit. Für Nutzer lässt sich daher kaum abschätzen, in welchen Straßen und Ortschaften die Verbesserungen tatsächlich spürbar sein werden.
Netzabdeckung wächst – zumindest auf dem Papier
Nach aktuellen Angaben der Telekom werden inzwischen 96 Prozent der Fläche des Landkreises durch das eigene Mobilfunknetz erreicht. Nahezu alle Haushalte sollen Zugang zu schnellem Mobilfunk haben. Noch im Mai hatte der Konzern die Flächenversorgung mit 95 Prozent angegeben.
Die Zahlen zeigen einen Fortschritt, sagen über den tatsächlichen Empfang im Alltag aber nur bedingt etwas aus. Ob eine Verbindung stabil ist, hängt nicht allein von der Entfernung zum nächsten Sendemast ab. Auch Gelände, Gebäude, verwendete Frequenzen, das jeweilige Smartphone und die Zahl der gleichzeitig eingeloggten Nutzer beeinflussen die Qualität.
Von den jüngsten Erweiterungen soll zudem die Bahnstrecke zwischen Hildesheim und Wolfsburg profitieren. Gerade in Zügen bleibt eine zuverlässige Verbindung jedoch technisch anspruchsvoll: Metallbedampfte Scheiben können Funksignale abschwächen, während hohe Geschwindigkeiten häufige Wechsel zwischen den Funkzellen notwendig machen. Auch entlang einer ausgebauten Strecke kann der Empfang deshalb weiterhin schwanken.
Elf neue Anlagen und zahlreiche Erweiterungen geplant
Derzeit betreibt die Telekom nach eigenen Angaben 114 Mobilfunkstandorte im Landkreis Hildesheim. In den kommenden drei Jahren sollen elf neue Anlagen hinzukommen. Darüber hinaus will das Unternehmen 54 bestehende Standorte mit weiterer 4G- und 5G-Technik ausstatten.
Damit könnten bis zu 65 Bau- und Modernisierungsprojekte anstehen. Ob alle Vorhaben tatsächlich innerhalb des angekündigten Zeitraums umgesetzt werden, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab. Benötigt werden geeignete Grundstücke oder Gebäudedächer, abgeschlossene Mietverträge und die erforderlichen Genehmigungen.
Kommunen und private Eigentümer können der Deutschen Funkturm, die für den Bau und Betrieb der Telekom-Standorte zuständig ist, geeignete Dach- oder Grundstücksflächen anbieten.
Bei der aktuellen Zahl der Anlagen bleibt eine Unstimmigkeit: In mehreren Unternehmensmitteilungen aus dem Jahr 2025 und noch im Februar 2026 hatte die Telekom 115 Standorte im Landkreis genannt. In der neuen Mitteilung ist nur noch von 114 die Rede. Ob eine Anlage stillgelegt, zusammengelegt oder lediglich anders gezählt wurde, erklärt das Unternehmen nicht.
Mobilfunknetz spielt auch im Notfall eine wichtige Rolle
Der Netzausbau dient nicht nur dem schnelleren Internet. Die Telekom-Standorte im Landkreis unterstützen auch die Notruftechnik Advanced Mobile Location, kurz AML. Wird mit einem geeigneten Smartphone die 112 gewählt, ermittelt das Gerät automatisch seinen Standort und übermittelt ihn an die zuständige Leitstelle. Das kann wertvolle Zeit sparen – besonders dann, wenn Verletzte oder Hilfesuchende ihren Aufenthaltsort nicht genau kennen oder beschreiben können.
Eine weitere wichtige Funktion ist Cell Broadcast. Damit können Behörden Warnmeldungen direkt an Mobiltelefone senden, die sich in einem betroffenen Gebiet befinden. Eine vorherige Anmeldung oder eine besondere Warn-App ist dafür nicht erforderlich. Das System kann unter anderem bei Großbränden, Gefahrstoffaustritten, schweren Unwettern oder Überschwemmungen eingesetzt werden.
Der Ausbau verbessert damit nicht nur die Möglichkeiten zum Telefonieren und Surfen. Ein dichteres und leistungsfähigeres Mobilfunknetz kann auch dazu beitragen, Warnungen schneller zu verbreiten und Menschen in Not genauer zu lokalisieren. Entscheidend wird jedoch sein, ob die angekündigten neuen Standorte und Erweiterungen tatsächlich umgesetzt werden – und ob die Verbesserungen anschließend auch dort ankommen, wo Funklöcher den Alltag bislang noch immer begleiten.

