Was passiert, wenn bei einem großflächigen Stromausfall Mobilfunk, Telefon und Internet nicht mehr funktionieren? Beim bundesweiten Warntag haben Funkamateure in Sarstedt gezeigt, wie wichtige Nachrichten trotzdem übermittelt werden können. Innerhalb der ersten 30 Minuten gelangen bereits elf Kontakte zu anderen Notfunkstellen.
Funkbetrieb am KLECKS
„Hier DL0GHI, CQ CQ Warntag“ – immer wieder spricht Carsten Schilling diese Worte in das Mikrofon des Funkgeräts. Mit dem internationalen Anruf „CQ“ sucht er nach anderen Stationen, die sich ebenfalls am Warntag beteiligen.
Der Aufbau steht am KLECKS in Sarstedt. Die Einrichtung dient in einer Krisensituation zugleich als Notfallbetreuungszentrum und sogenannter Leuchtturm. Dort können Bürgerinnen und Bürger Hilfe, Informationen und Ansprechpartner finden, wenn die üblichen Kommunikationswege ausgefallen sind.
Vor Ort verfolgten Stadtbrandmeister Jens Klug und Bürgermeisterin Heike Brennecke den Test. Die Funkamateure Fabian Lochmann und Carsten Schilling erklärten die Technik und demonstrierten, wie darüber Verbindungen zu anderen Notfunkstellen aufgebaut werden können.
Elf Kontakte innerhalb von 30 Minuten
Der erste Zwischenstand zeigt, dass der Aufbau funktioniert: Innerhalb von nur 30 Minuten gelangen den Sarstedter Funkamateuren elf Kontakte zu anderen Notfunkstellen.
Entscheidend ist dabei nicht allein die Zahl der erreichten Stationen. Getestet werden auch die Verständlichkeit der Verbindung, die Reichweite und die Abläufe bei der Übermittlung von Nachrichten. Im Ernstfall könnten auf diesem Weg beispielsweise Lageinformationen oder Hilfeersuchen weitergegeben werden.
Bürgermeisterin funkt selbst mit
Bürgermeisterin Heike Brennecke ließ sich die Anlage nicht nur erklären. Sie nahm selbst das Mikrofon in die Hand und beteiligte sich am Funkverkehr.
Die Technik sei interessant und wichtig für die Region, sagte Brennecke. Gleichzeitig hoffe sie, dass sie niemals in einer echten Notlage eingesetzt werden müsse. Aus ihrer Sicht zeigt der Aufbau, dass eine Kommunikation auch ohne Satellitentelefon möglich sein kann.
Vollständig unabhängig vom Stromnetz
Die Funkanlage arbeitet während des Tests autark. Die benötigte Energie kommt aus einer Powerbank, sodass für den Betrieb kein Anschluss an das öffentliche Stromnetz erforderlich ist.
Gerade bei einem länger andauernden Stromausfall ist diese Unabhängigkeit entscheidend. Mobilfunkmasten und andere Kommunikationssysteme können ausfallen, sobald deren Notstromversorgung erschöpft ist. Funkgeräte lassen sich dagegen mit Akkus, Powerbanks oder anderen mobilen Energiequellen weiter betreiben.
Was Notfunk leisten kann
Notfunk ersetzt weder den Notruf noch Feuerwehr, Rettungsdienst, Polizei oder Leitstellen. Seine Aufgabe besteht darin, einen zusätzlichen Kommunikationsweg bereitzustellen, wenn Telefon, Mobilfunk oder Internet nicht mehr zuverlässig funktionieren.
Funkamateure können dann Verbindungen zwischen Einrichtungen, Notfallanlaufstellen und anderen Funkstationen herstellen. Damit das im Ernstfall gelingt, müssen Technik und Abläufe vorher erprobt werden. Genau darum ging es beim Warntag in Sarstedt.
Während Sirenen, Warn-Apps und Cell Broadcast die Bevölkerung alarmieren sollen, sorgt der Notfunk im Hintergrund dafür, dass wichtige Informationen weiterhin von einem Ort zum anderen gelangen können.
Der Test am KLECKS zeigt: Selbst ohne Steckdose, Mobilfunknetz und Internet kann Kommunikation möglich bleiben. Aus einem Funkgerät, einer Antenne, einer Powerbank und entsprechend ausgebildeten Menschen entsteht so ein zusätzlicher Kommunikationsweg für den Katastrophenfall.

